Wiedervorlage 11 Jahre: Hundert Stunden Krieg

[Inzwischen sind aberhunderte solcher Stunden mehr vergangen. Hat sich groß was geändert? Wieso dann also neue Texte schreiben?]

24.03.03

Es ist wieder so weit: Bildungsfernsehen ist angesagt. Nachdem wir inzwischen schon fast wieder vergessen haben, wo Mostar und Tetovo, Kandahar und Mazar-i-Sharif liegen, ist das Thema des aktuellen Geographie-Telekollegs „Um Kasr“ (Umm Kasar, Um Kasre).

„Zum Glück haben wir unseren embedded correspondent im Einsatz. Wolf, wo liegt Um Kasr genau?“ „Susan, aus taktischen Gründen kann ich nichts genaues dazu sagen. Susan!“

„Danke Wolf!“

Ein Krieg in dem es scheint, dass die Waffen intelligenter sind als die Befehlshaber.

Eigentlich ist der Irak ja nichts weiter als eine Ansammlung von Widerstandstaschen.

Die Lage wurde nicht unterschätzt, es leisten ja nur noch die irakischen Spezialeinheiten Gegenwehr, doch davon gibt es genug: Republikanische Garden. Fedeejin. Spezielle Republikanische Garden. Jeder irakische Soldat ist seine eigene Spezielle Republikanische Garde. Von den Parteimitgliedern mal ganz zu schweigen.

Laut SPIEGEL geht gerade die „Generation Golfkrieg“ auf die Straße.

Sechzehnjährige mit ihrem Alter angepassten Transparenten: „Illuminati stoppen!“ „Bombing for peace is like fucking for virginity!“ Schülerdemos! Pisa ist vergeben und vergessen.

Saddam Hussein soll vor Kriegsbeginn an George Bush das Angebot gerichtet haben, man könne den Streit ja auch per Fernsehduell entscheiden, das sei doch in Amerika so üblich. Wenn das kein Medienkrieg ist! Sechs Stunden vor Ablauf des Ultimatums erschien auf einem Nachrichtensender eine Countdown-Uhr, mit dem Titel „Deadline“.

Die Reporter in den Flüchtlingscamps jenseits der irakischen Grenze hätten am liebsten ganze Hubschrauberstaffeln zur Verfügung gestellt, damit sie auch schnell genug ihre Bilder füllen können. Und wer kam? Keine Iraker, sondern Afrikaner! Was wollten die denn hier? Bilder von geflohenen Afrikanern in Zelten können wir jeden Tag bekommen!

D-Day hieß diesmal A-Day. Die Bomben sind laut Rummie so intelligent, dass sie einen Laster (= mobiles Massenvernichtungswaffenlabor, natürlich.)  unter einer Brücke treffen können, “without hitting the bridge”. Von Luftkrieg ist die Rede. Hat jemand in der letzten Zeit was von einem irakischen Militärflugzeug gehört?

Nach der Demo gehen wir nach Hause, bezahlen weiter die Rechnungen und freuen uns irgendwie trotzdem, dass endlich Frühling ist.

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